Kapazitaetsplanung¶
Ueberblick¶
Die Kapazitaetsplanung bilanziert Soll (vertraglich verfuegbare Stunden) gegen Ist (geplante und geleistete Stunden) und stellt sicher, dass Teams ihren Leistungsumfang fuer die zugewiesenen Klienten erbringen koennen — ohne Ueberlast oder Unterauslastung.
Berechtigung
Kapazitaet einsehen: Teamleitung (eigenes Team) und Admin (alle). Bearbeitung der Grundwerte: Admin.
Funktionsweise im Detail¶
Das Problem, das wir loesen¶
Eingliederungshilfe funktioniert nur, wenn Bewilligungen und Arbeitskraft zueinander passen. Ueber-/Unter-Deckung kostet:
- Ueber-Deckung (mehr FLS bewilligt als Kapazitaet): Wartelisten fuer Klienten, verlorene Bewilligungen, Image-Schaden.
- Unter-Deckung (mehr Stunden gearbeitet als bezahlt): Lohnkosten ohne Refinanzierung — die Einrichtung legt Geld drauf.
Ohne Kapazitaetsplanung bemerkt eine Einrichtung das erst beim Jahresabschluss der Buchhalterin. Zu spaet. Das Kapazitaets- Dashboard macht die Bilanz zu jedem Zeitpunkt sichtbar und zeigt 3 Monate in die Zukunft: welche Wochen drohen rot, welche Klienten brauchen eine Bedarfsfortschreibung.
Konkretes Szenario: Jahresplanungs-Meeting im Dezember¶
05. Dezember 2026 — Admin Anja bereitet die Jahresplanung fuer 2027 vor.
Sie oeffnet Kapazitaet → 2027 Ueberblick:
- Soll-Stunden 2027 (alle 25 Mitarbeiter, 40h-Schnitt): 52.000 h
- Abzug Urlaub/Krank-Schnitt (14%): -7.280 h → 44.720 h Netto
- Bereits bewilligte FLS aus Klient-Akten 2027: 38.500 h
Differenz: +6.220 h freie Kapazitaet = 12 % Puffer.
Die Kennzahlen pro Team:
| Team | Soll 2027 | Ist-Klienten-Bedarf | Prozent |
|---|---|---|---|
| Hauptstrasse | 10.400 h | 10.800 h | 104 % ⚠ |
| Gruenstrasse | 8.300 h | 7.200 h | 87 % |
| Mobil | 12.500 h | 10.500 h | 84 % |
| Tagesstruktur | 13.500 h | 10.000 h | 74 % |
Befund: - Hauptstrasse ist ueberbucht. Zwei Klienten koennen im Jahresverlauf nicht voll versorgt werden. - Tagesstruktur hat Luft — 3.500 h nicht verteilt.
Entscheidung im Meeting:
- Umverteilung: Klient 1 aus Hauptstrasse, der perspektivisch in die Tagesstruktur passt, wird im zweiten Quartal 2027 verlegt.
- Neueinstellung: 1 Halbtagskraft fuer Hauptstrasse (20 h/Woche = 1.040 h/Jahr) — deckt die verbleibende Ueberschreitung.
- Akquise: Tagesstruktur-Team hat Luft fuer 3 neue Klienten; Sozialarbeiterin nimmt Kontakt zum Bezirksamt auf, die haben eine Warteliste.
3-Monats-Planungs-Horizont als Diagramm¶
flowchart LR
W1[Woche 1-12<br/>Dienstplan konkret]
W2[Woche 13-26<br/>Bewilligung vs. Soll]
W3[Woche 27+<br/>Grobplan]
W1 -.detailliert.-> Heute
W2 -.Lueckenalarm.-> Heute
W3 -.nur-Monatssumme.-> Heute
Heute[Admin-Dashboard<br/>Heute]
Heute --> R[Rot: Fehldeckung > 10%]
Heute --> G[Gelb: eng 95-105%]
Heute --> GR[Gruen: 70-95%]
R -.Aktion.-> E[Eskalationsoptionen]
E --> Z[Zusatzschichten]
E --> U[Umverteilung]
E --> X[Extern beauftragen]
E --> B[Bedarfskorrektur]
Das 3-Monats-Rollende-Dashboard¶
Die praktikabelste Sicht ist nicht das Jahr, sondern die naechsten drei Monate. Das Dashboard aktualisiert sich wochenweise:
- Woche 1-12: konkret geplant via Dienstplan + Urlaubsantraege
- Woche 13-26: Soll-Kapazitaet gegen offene Bewilligungen
- Woche 27+: nur noch Grobplan, ohne Detail
Wochen mit Fehldeckung > 10 % werden rot markiert — die Teamleitung weiss, dass sie handeln muss (Zusatzschichten, Umverteilung, Tausch-Anfragen).
Eskalationsoptionen¶
Bei Fehldeckung hat die Teamleitung typisch vier Hebel:
- Zusatzschichten anbieten — Springer oder Teilzeitkraefte fragen (Tausch-Anfrage-Workflow kann hier missbraucht werden: jemand bietet Mehrarbeit an, Lead nimmt an).
- Umverteilung Klient — in ein anderes Team, wenn dort Kapazitaet und fachlich passend.
- Externe Unterstuetzung — Zeitarbeit oder freie Kraefte einkaufen, wenn die Einrichtung das bilanziell darstellen kann.
- Bedarfskorrektur — mit Kostentraeger ueber weniger FLS verhandeln, wenn der Klient gesundheitlich besser dasteht. Realistisch nur mit neuem Bescheid, dauert Monate.
Alle Entscheidungen werden im Audit-Log vermerkt (als Management- Entscheidungen), damit bei spaeteren Nachfragen nachvollziehbar ist, warum gehandelt wurde.
Rechtlicher Hintergrund¶
- §125 SGB IX — Verguetungsvereinbarung zwischen Traeger und Leistungserbringer. Kapazitaetsplanung stellt sicher, dass vereinbarte Leistungen erbracht werden koennen.
- §17 Abs. 2 ArbSchG — Sichere Arbeitsbedingungen; Ueberlastung einzelner Mitarbeiter ist Arbeitsschutzverstoss.
- EU-Arbeitszeitrichtlinie 2003/88/EG — Rahmen fuer ArbZG; 48-h-Wochen-Durchschnitt im 6-Monats-Fenster.
- HGB §289 — Lagebericht bei groesseren Einrichtungen; Kapazitaetsausnutzung ist berichtspflichtig.
Kern-Kennzahlen¶
| Kennzahl | Berechnung |
|---|---|
| Soll-Stunden Monat | Summe der Wochenarbeitszeiten aller aktiven Mitarbeiter × Arbeitswochen |
| Abwesenheits-Soll | Soll-Stunden abzueglich Urlaub/Krankheit/Fortbildung |
| Plan-Stunden | Summe aller geplanten Schichten des Monats |
| Ist-Stunden | Summe erfasster Zeit-Eintraege |
| Klienten-FLS-Bedarf | Summe der FLS pro Klient (siehe Fachleistungsstunden im Doku-Wiki) |
| Fehldeckung | Bedarf − Plan |
Dashboard-Kacheln¶
- Team-Auslastung: Prozent
Plan/Abwesenheits-Soll. Ideal 90–105 %. - Bereichsauslastung: Analog, aber nach Bereich (Eingliederungshilfe, Familienhilfe, …)
- Fehldeckung: Rote Balken, wenn
Bedarf > Plan - Ueberlast: Rote Balken, wenn
Plan > Abwesenheits-Soll × 1.10
Planung auf 3 Monate¶
Der Planungshorizont ist 3 Monate. Fuer jeden Monat:
- Urlaubsantraege und Krankmeldungen flossen in
Abwesenheits-Soll - Dienstplan-Bulks erzeugen die
Plan-Stunden - FLS aus den Klienten-Plaenen ergeben den
Bedarf - Dashboard markiert Wochen mit Deckungsluecken
Eskalation¶
Bei Fehldeckung hat die Teamleitung Optionen:
- Zusatzschichten — Mitarbeiter mit Verfuegbarkeit fragen (Tausch-Anfrage-Workflow)
- Umverteilung — Klienten in anderes Team, wenn Kapazitaet dort
- Externe Unterstuetzung — Zeitarbeit oder freie Kraefte (separat zu buchen)
- Bedarfskorrektur — mit Leistungstraeger Rahmen anpassen
Alle Massnahmen werden im Audit-Log protokolliert.
Reports¶
Monatsbericht Kapazitaet zeigt den ganzen Monat-Plan-Durchfluss mit farblich markierten Hotspots — Grundlage fuer Rueckmeldungen an Kostentraeger und interne Retrospektiven.